Firmengeschichten können ganz schön langweilig sein, vor allem dann, wenn sie wie ein Lebenslauf chronologisch abgearbeitet werden. Keine Sorge, das habe ich nicht vor. Obwohl seit meiner Gründung im Jahr 2002 einiges passiert ist. Aber nicht alles davon muss hier bis ins kleinste Detail und in Langspielplattenlänge erzählt werden.
Im Grunde genommen zieht sich nämlich ein roter Faden durch all diese Jahre: Gastgeschenke, Anlasskerzen und Taufbriefe und vor allem die Freude daran, zu gestalten, zu dekorieren und aus Ideen etwas Besonderes entstehen zu lassen.Mein erstes Geschäft war ein kleines Ecklokal hinter dem Floridsdorfer Hallenbad im 21. Bezirk. Keine besondere Lage, komplett renovierungsbedürftig, aber: Es war meines.
Gestartet habe ich ganz klassisch mit Geschenkartikeln. Das funktionierte, abgesehen von ein paar treuen Stammkunden, eher weniger. Also musste eine neue Idee her. Ich begann, Geschenke in Luftballons zu verpacken. Das funktionierte schon besser.
Und dann kamen die Gastgeschenke in mein Leben.
Hochzeitsmandeln, verpackt in Tüll und kleinen Kartonagen, Taufmandeln in niedlichen Säckchen mit kindlichen Motiven. Ich war schockverliebt. Mein Sortiment bezog ich damals aus Italien, Frankreich und Belgien und fertigte daraus Gastgeschenke für die unterschiedlichsten Feiern.
Dazu kamen Hochzeitsdekorationen vor Ort und das damals sehr beliebte Ballonsteigen mit heliumgefüllten Herzballons. Auch Hochzeitskerzen und Taufkerzen fanden ihren Weg in mein Sortiment.
Einen Wunsch hatte ich schon lange: Mit HORNdeko wollte ich irgendwann in die Wiener Innenstadt. Für mich war sie schon immer ein zauberhafter Ort. Hier lebt Geschichte, hier waren und sind, wenn auch leider immer weniger, die kleinen Spezialgeschäfte zu Hause. Handel und Handwerk haben hier für mich einen ganz besonderen Platz.
2009 war es dann so weit. Wobei ich eigentlich sagen muss: Ich habe mein neues Geschäft nicht gesucht, das kleine Lokal in der Gölsdorfgasse hat mich gefunden.
Vieles bei HORNdeko ist über die Jahre mit überschaubaren Mitteln und dafür umso mehr Eigenleistung entstanden. Ein Teil meiner Einrichtung ist von Geschäft zu Geschäft mitgezogen, manches kam neu dazu und vieles habe ich gebraucht gekauft. Möbel fand ich über Inserate, meine Verkaufstheke mit Glaseinsatz stammt beispielsweise aus einem aufgelassenen Geschäft in der Gegend rund ums Schottentor in 1010 Wien. Statt alles fertig einzukaufen, habe ich lieber selbst angepackt, improvisiert und aus dem Vorhandenen etwas Eigenes gemacht.
Rund 15 m² hatte dieses winzige Geschäft. Manchmal sind Kunden tatsächlich wieder gegangen, weil es mit drei oder vier Menschen schlicht und einfach voll war.
Meine Gastgeschenke fertigte ich trotzdem weiterhin mit großer Freude an. Der Schwerpunkt lag nun immer stärker auf privaten Feiern: kleine Give-aways für Hochzeiten, Taufen und Kommunionen, individuell zusammengestellt und in vielen Fällen in großen Stückzahlen angefertigt.
Auch meine Anlasskerzen waren weiterhin mit dabei.
Für mein drittes Geschäft musste ich zum Glück nicht weit ziehen. Es ging nur eine Straße weiter in mein heutiges Geschäft auf der Fischerstiege in 1010 Wien.
Fotos Fischerstiege: die ersten Jahre. Ein kleiner Rückblick auf mein Geschäft und seine Einrichtung, wie alles nach dem Umzug 2016 begonnen hat.
Endlich hatte ich mehr Platz. Ich ließ Wände einziehen und schuf mir einen eigenen Bereich zum Anfertigen und Gestalten.
Mittlerweile hatte ich auch die Restbestände einer Firma übernommen, die Taufbriefe hergestellt hatte. Eigentlich wollte ich mich diesen besonderen Erinnerungsstücken schon damals viel intensiver widmen.
Aber wie das Leben so spielt: Taufkerzen, Hochzeitskerzen und vor allem die vielen Gastgeschenke hielten mich ordentlich auf Trab. Die Briefe mussten noch ein bisschen warten.
Genauer gesagt: teilweise mehr als zehn Jahre.
Und hier schließt sich für mich der Kreis.
Im Frühjahr 2026 habe ich nach vielen Jahren mit der Anfertigung von Gastgeschenken aufgehört. Es war Zeit für eine Veränderung und für all jene Dinge, für die vorher einfach nie genug Zeit geblieben ist.
Neben meinen Taufkerzen, Hochzeitskerzen und anderen Anlasskerzen bekommen nun endlich meine Erinnerungsbriefe den Raum, den sie verdienen. Taufbriefe fertige ich bereits seit vielen Jahren an, dazu kommen Kommunionsbriefe, Firmungsbriefe, Geburtsbriefe, Christkindbriefe und natürlich meine Puppenstubenbriefe.
Jeder einzelne Brief wird von mir mit viel Freude angefertigt und gestaltet. Und wenn eine meiner Puppis mein Geschäft verlässt, übergebe ich sie in gute Hände und hoffe, dass sie dort genauso viel Freude bereitet, wie ich bei ihrer Entstehung hatte.
Gestalten, werkeln, ausprobieren und aus etwas Altem etwas Neues machen, das gehört einfach zu mir.
Deshalb endet meine Kreativität auch nicht bei meinen Kerzen und Erinnerungsbriefen. Vieles, was Sie heute in meinem Geschäft entdecken, ist selbst gemacht, umgebaut oder zweckentfremdet.
Aus einer alten Kinderküche wird eine kleine Präsentationsfläche. Eine Vitrine bekommt ein neues Leben. Und ein altes Puppenhaus vom Flohmarkt kann plötzlich zum Zuhause für Trauer- und Gedenkkerzen werden.
Nicht alles muss neu sein. Manchmal braucht es nur eine Idee, ein bisschen Arbeit und Freude am Gestalten.
Vielleicht ist HORNdeko über all die Jahre genau das für mich geworden: ein kleines Stück heile Welt in einer lauten und schnellen Welt.
Ein Geschäft, in dem noch mit den Händen gearbeitet wird. In dem Dinge entstehen dürfen, die nicht überall gleich aussehen. In dem Altes ein zweites Leben bekommen kann und kleine Erinnerungsstücke manchmal eine ganz große Bedeutung haben.
Und vor allem ein Geschäft, in dem die persönliche Begegnung noch dazugehört.
Ich freue mich, wenn Sie vorbeikommen und ein kleines Stück dieser Welt für sich oder einen lieben Menschen mitnehmen.
Herzlichst
Manuela Horn